Perfektionismus

Perfektionismus ist definiert als ein Streben nach unrealistisch hohen Zielen, verbunden mit einer starken Selbstabwertung bei Fehlern. Bisherige Studien zeigen, dass Perfektionismus mit einer Vielzahl psychischer St?rungen zusammenh?ngt.  Allerdings gibt es bisher nur sehr wenige Studien dazu, ob und wie Perfektionismus kausal zur Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer St?rungen beitr?gt. Diesen Fragen gehen wir in verschiedenen Forschungsprojekten nach. Au?erdem untersuchen wir wie Perfektionismus den Therapieerfolg beeinflusst und haben verschiedene Messinstrumente für Perfektionismus entwickelt und/oder validiert.

Aktuelle Forschungsprojekte

Perfektionismus als transdiagnostischer Prozess: Untersuchung von Perfektionismus als Risikofaktor für 澳门皇冠_皇冠足球比分-劲爆体育ere Arten von Psychopathologie

F?rderung: DFG

Projektbeteiligte: Nathalie Claus (LMU, München), Thomas Ehring (LMU, München)

Projektleitung: Barbara Cludius (Universit?t Bremen)

Kooperationspartner:innen: Karina Limburg (LMU, München), Roz Shafran (University College London), Sarah Egan (Curtin University Perth), Keisuke Takano (National Institute of Advanced Industrial Science and Technology, Tsukuba)

Bisher ist unklar, (a) ob und auf welche Weise Perfektionismus das allgemeine Risiko für Psychopathologie erh?ht und (b) wie Perfektionismus zu verschiedenen spezifischen St?rungen führen kann (z. B. Zwangsst?rung bei einer Person und Bulimie bei einer anderen Person). Daher sind wir daran interessiert, m?gliche Faktoren zwischen dem transdiagnostischen Risikofaktor Perfektionismus und Symptomen von Zwangsst?rung oder Essst?rungen zu untersuchen. Innerhalb dieses Projekts führen wir eine prospektive L?ngsschnittstudie über zw?lf Monate (https://osf.io/39nx7/) sowie zwei experimentelle Studien (https://osf.io/s45tu/) durch. Innerhalb der experimentellen Studien manipulieren wir überh?hte Verantwortung als einen spezifischen Faktor für die Zwangsst?rung und Unzufriedenheit mit dem K?rper als einen spezifischen Faktor für Essst?rungen. Wir testen, welchen Einfluss Perfektionismus im Zusammenhang mit den jeweiligen Faktoren auf die Entstehung von Symptomen der Zwangsst?rung bzw. Essst?rungen hat.

Perfektion vs. Exzellenz: Beeinflusst das Streben psychische Gesundheit und Lebenszufriedenheit?

Projektbeteiligte: Tilo Zotschew, Nathalie Claus (Universit?t Bremen)

Projektleitung: Barbara Cludius (Universit?t Bremen), Thomas Ehring (LMU, München)

Perfektionismus ist ein Pers?nlichkeitsmerkmal, das sich dadurch auszeichnet, dass Menschen entweder nach Perfektion streben (?perfectionistic strivings“) oder sich Sorgen machen und selbst kritisieren, wenn sie Perfektion nicht erreichen (?perfectionistic concerns“). Es gilt als negativer Faktor, der zur Entstehung und Aufrechterhaltung verschiedener psychischer Erkrankungen beitragen kann. Dabei zeigt sich der Zusammenhang zwischen Perfektionismus und psychischen Problemen weniger stark für das Streben nach Perfektion, da dieses in anderen Bereichen auch positive Effekte haben kann

Wir wollen untersuchen, ob eine weitere Facette des Strebens – n?mlich das Streben nach exzellenter, aber nicht unbedingt perfekter Leistung (?Exzellenzismus“) – diese positiven Effekte erkl?ren k?nnte. Im Gegensatz zu Exzellenzismus bedeutet Perfektionismus das Streben nach absoluter Perfektion, was einen unverh?ltnism??ig gro?en Aufwand erfordert. Die positiven Effekte von Perfektionismus lassen sich vermutlich nur im Vergleich zu Exzellenzismus beurteilen, doch h?ufig wird Perfektionismus f?lschlicherweise mit ?kein Perfektionismus“ verglichen. Erste Studien deuten darauf hin, dass Perfektionismus über Exzellenzismus hinaus keine positiven Wirkungen hat.

In unserer Studie nutzen wir diese Unterscheidung erstmals im Zusammenhang mit psychischen St?rungen. Wir untersuchen, wie Perfektionismus und Exzellenzismus (a) mit Symptomen von Depression, generalisierter Angstst?rung, Zwangsst?rung und Essst?rungen sowie (b) mit bereichsspezifischer Zufriedenheit und allgemeiner Lebenszufriedenheit zusammenh?ngen (Zotschew et al., 2024).

Publikationen

  1. Zotschew, T., Kley, H., M?llmann, A., Schlechter, F. & Heinrichs, N. (2024). Bielefelder Fragebogen zur Lebenszufriedenheit (BIFL). Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 53(1), 10–23. https://doi.org/10.1026/1616-3443/a000745

  2. Claus, N., Miegel, F., Jelinek, L., Landmann, S., Moritz, S., Külz, A. K., Rubel, J., & Cludius, B. (2023). Perfectionism as Possible Predictor for Treatment Success in Mindfulness-Based Cognitive Therapy and Metacognitive Training as Third-Wave Treatments for Obsessive-Compulsive Disorder. Cognitive Therapy and Research. https://doi.org/10.1007/s10608-023-10361-0

  3. Cludius, B., Hummel, J., Limburg, K., Woud, M. L., & Takano, K. (2023). Development and validation of the ambiguous scenario task for perfectionistic concerns for university students. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 79, 101811. https://doi.org/10.1016/j.jbtep.2022.101811

  4. Hummel, J.*, Cludius, B.*, Woud, M. L., Holdenrieder, J., Mende, N., Huber, V., Limburg, K., & Takano, K. (2023). The causal relationship between perfectionism and negative affect: Two experimental studies. Personality and Individual Differences, 200, 111895. https://doi.org/10.1016/j.paid.2022.111895 [*geteilte Erstautorenschaft]

  5. Cludius, B., Landmann, S., Külz, A.-K., Takano, K., Moritz, S., & Jelinek, L. (2022). Direct and indirect assessment of perfectionism in patients with depression and obsessive-compulsive disorder. PLOS ONE, 17(10), e0270184. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0270184

  6. Roth, I., Cludius, B., Egan, S. J., & Limburg, K. (2021). Evaluation of the factor structure and psychometric properties of the German version of the Clinical Perfectionism Questionnaire: The CPQ-D. Clinical Psychology in Europe, 3(2), e3623. https://doi.org/10.32872/cpe.3623

  7. Miegel, F., Moritz, S., Wagener, F., Cludius, B., & Jelinek, L. (2020). Self-esteem mediates the relationship between perfectionism and obsessive-compulsive symptoms. Personality and Individual Differences, 167, 110239. https://doi.org/10.1016/j.paid.2020.110239