Projekte

SalusTransform: Wie kann die Entwicklung einer gesunden Stadt für alle gelingen?
Justus T?nnies, Ellen Senck, Gabriele Bolte
International und national wird die Bedeutung von integrierten Stadtentwicklungsprogrammen für die gro?e Transformation, sozial-?kologische Nachhaltigkeit und gesundheitliche Chancengerechtigkeit zunehmend diskutiert. In Deutschland sind Integrierte Stadtentwicklungskonzepte (ISEK) ein umsetzungsorientiertes Steuerungs- und Koordinierungsinstrument der Stadtentwicklung einer Kommune für st?dtebaulich, sozial und wirtschaftlich benachteiligte st?dtische Teilr?ume. Sie werden für ein ausgew?hltes Stadtquartier unter Beteiligung verschiedener Ressorts, Sozialraumakteur*innen und der ?ffentlichkeit aufgestellt und sind eine Voraussetzung für eine F?rderung durch das im Baugesetzbuch verankerte Programm ?Sozialer Zusammenhalt“. Kommunen identifizieren auf der Grundlage von vorbereitenden Analysen zun?chst Teilr?ume, die st?dtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligt sind, und leiten daraus thematische Schwerpunkte ab. Für die ausgew?hlten Teilr?ume werden weitergehende vorbereitende Analysen zu den identifizierten thematischen Schwerpunkten durchgeführt. ISEK umfassen eine Vielzahl von Ma?nahmen, die die Wohngeb?udequalit?t, Mobilit?tsoptionen oder ?ffentliche Grün- und Freir?ume sowie soziale und gesundheitliche Versorgungsstrukturen verbessern. Auch die Entwicklung neuer Ideen für die Nutzung leerstehender Ladenlokale oder für die Verbesserung des Stadtteilimages k?nnen zu den Ma?nahmen z?hlen.
Entsprechend der Wirksamkeitshierarchie von Public-Health-Interventionen sind Ma?nahmen eines ISEK als sogenannte upstream-Interventionen, die an den Grundursachen ansetzen, mit einem hohen Wirksamkeitspotenzial auf Bev?lkerungsebene einzuordnen. Aus einer Public-Health-Perspektive adressieren ISEK die sozialen Determinanten von Gesundheit auf verschiedenen Ebenen der gebauten, physisch-?kologischen und sozialen Umwelt. Bisher sind vor allem die Verfahren zur Entwicklung und die Umsetzung von Integrierten Stadtentwicklungskonzepten evaluiert worden.
Hier setzt das neue Verbundprojekt SalusTransform an, das seit Februar 2025 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gef?rdert und von der Abteilung Sozialepidemiologie des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP) geleitet wird. Kooperationspartner sind die AG Epidemiologie des demographischen Wandels des IPP, die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gesundheit Bochum und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH.
Das Ziel von SalusTransform ist, erstmals in Deutschland Integrierte Stadtentwicklungskonzepte auf ihre Wirksamkeit hinsichtlich der Verbesserung der Gesundheit, der Verringerung sozialer Ungleichheiten und der Erh?hung ?kologischer Nachhaltigkeit und Umweltgerechtigkeit im Stadtgebiet zu evaluieren. Die Evaluation der ISEK erfolgt im quasiexperimentellen Design einer kontrollierten, nicht-randomisierten Interventionsstudie. Hierfür wird in den drei St?dten Bremen, Bochum und Wuppertal jeweils ein Stadtgebiet, in dem ein ISEK umgesetzt wird (bzw. wurde), mit einem Stadtgebiet ?hnlicher Sozialstruktur und ohne entsprechendes Konzept verglichen. Aufgrund der 澳门皇冠_皇冠足球比分-劲爆体育j?hrigen Entwicklungs- und Implementationsphase wurden drei ISEK-Gebiete ausgew?hlt, die sich hinsichtlich des Stadiums der ISEK-Umsetzung unterscheiden. In der Gesamtbetrachtung bieten die verschiedenen Stadien der ISEK-Umsetzung in den drei St?dten die M?glichkeit, 澳门皇冠_皇冠足球比分-劲爆体育j?hrige Interventionen in einer verh?ltnism??ig kurzen Projektlaufzeit hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu evaluieren.
Gemeinsam mit den Akteur*innen aus der kommunalen Verwaltung und aus den Stadtquartieren wird zum einen analysiert, wie die ISEK inhaltlich ausgestaltet und die einzelnen Ma?nahmen umgesetzt worden sind. Zum anderen wird untersucht, inwiefern ISEK dazu beitragen k?nnen, gesundheitsf?rderliche und nachhaltige Lebensbedingungen für alle Menschen im Stadtquartier zu etablieren. Mit einem Mixed-Methods-Ansatz werden bereits vorhandene kommunale Sozial-, Umwelt- und Gesundheitsdaten sowie im Projekt neu erhobene Daten genutzt. Zum Einsatz kommen u.a. wiederholte Querschnittstudien, qualitative Expert*inneninterviews, Fokusgruppen mit Bewohner*innen, Feinstaubmessungen und Stadtteilbegehungen zur Beurteilung der Verkehrsinfrastruktur und Qualit?t von Grünfl?chen. In der Prozessevaluation werden Parameter wie z. B. die Inanspruchnahme von ISEK-Ma?nahmen, das Ausma? der Umsetzung geplanter Ma?nahmen und die Bewertung der ISEK-Umsetzung durch Bewohner*innen und Akteur*innen betrachtet. In die Ergebnisevaluation gehen Informationen z. B. zur Gesundheit der Bewohner*innen, zu ihrer sozialen Lage, aktiven Mobilit?t und subjektiven Einsch?tzung der Wohnumwelt sowie Sekund?rdaten zu Gesundheit, Umwelt und Sozialstruktur ein. Die Analysen erfolgen gem?? der Datenstruktur, u.a. mit einem difference-in-differences-Ansatz, bei dem Ver?nderungen in den Zielgr??en über die Zeit zwischen einer Interventionsregion (Stadtgebiet mit ISEK) und einer Vergleichsregion (Stadtgebiet ohne ISEK) analysiert werden.
Das Projektteam wird gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und st?dtischen Vertreter*innen die Evaluationsergebnisse bewerten und Optionen für eine Verstetigung der Evaluation hinsichtlich l?ngerfristiger ISEK-Effekte in den drei St?dten ausloten. Elemente der Evaluationsmethodik für ISEK sollen auf andere Kommunen übertragbar sein, um zu evidenzbasiertem Handeln im Rahmen einer Health-Equity-in-All-Policies-Strategie beizutragen.
Dr. Justus T?nnies, Ellen Senck MA, Prof. Dr. Gabriele Bolte
Universit?t Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP), Abt. Sozialepidemiologie
Zitierweise
T?nnies J, Senck E, Bolte G. SalusTransform: Wie kann die Entwicklung einer gesunden Stadt für alle gelingen? IPPinfo [Internet]. 2026;19(22):22-23. Available from: www.uni-bremen.de/institut-fuer-public-health-und-pflegeforschung/ippinfo

