Projektdetails

Pilotprojekt: Hospizlich-palliative Pflege und Begleitung im Strafvollzug

Laufzeit: Seit 01.09.2023
Forschungsteam:

Prof. Dr. Henning Schmidt-Semisch;

 

Prof. Dr. Susanne Fleckinger (Jade Hochschule Wilhemshaven|Oldenburg|Elsfleth);

 
Projekttyp: Eigenprojekt

Beschreibung

?ltere Gefangene stellen weltweit die am schnellsten wachsende Gruppe unter den Inhaftierten dar. In Europa sind durchschnittlich rund 18 % der Gefangenen ?lter als 50 Jahre, Deutschland liegt mit rund 16 % nur knapp darunter. Besonders viele ?ltere Personen finden sich in Deutschland in der Sicherungsverwahrung, d.h. einer Ma?nahme für jene Gefangene, die als besonders gef?hrlich eingesch?tzt werden und die über die eigentliche Strafe hinaus inhaftiert bleiben: Hier betr?gt der Anteil der über 50-j?hrigen rund 70% und jener der über 60-j?hrigen etwa 30%. Ein Grund für diesen Anstieg ist sicherlich der demografische Wandel, weil h?ufiger Personen im h?heren Alter straff?llig und dann gegebenenfalls auch inhaftiert werden. Andererseits hat aber vor allem auch die jeweilige Strafpraxis einen erheblichen Einfluss.

Unabh?ngig von den Gründen dieses Anstiegs stellen ?ltere Gefangene eine vulnerable, gesundheitlich besonders belastete Gruppe im Strafvollzug dar, deren Gesundheitszustand um ca. 10-15 Jahre schlechter eingesch?tzt wird als der ihrer Altersgenoss:innen in Freiheit. Die damit einhergehende Multimorbidit?t liegt zum einen an den strukturellen Lebensumst?nden und Lebensbedingungen vor der Inhaftierung (Armut, Obdachlosigkeit, Gewalterfahrungen etc.), zum anderen aber auch am individuellen Lebensstil der Betroffenen (riskante Lebensweisen, Konsum von illegalisierten und verunreinigten Substanzen etc.), was durch die freiheitsbeschr?nkenden und gesundheitsabtr?glichen Bedingungen der ?totalen Institution‘ Gef?ngnis noch versch?rft wird. Alles dies führt schlie?lich auch dazu, dass es immer h?ufiger Gefangene gibt, die pflegebedürftig werden, in Haft ihre letzte Lebensphase verbringen und ggf. auch dort versterben.

Das so genannten ??quivalenzprinzip‘ sieht vor, dass die gesundheitliche Versorgung in Haft so organisiert ist, dass sie den durch die GKV vorgesehenen Leistungen entspricht. Vor diesem Hintergrund geht das Projekt im Rahmen eines qualitativ-explorativen Studiendesigns der Frage nach, welche M?glichkeiten sich im Strafvollzug für eine der Situation in Freiheit ?quivalente, hospizlich-palliative Versorgung bieten und welchen sozialen, institutionellen, professionellen etc. Beschr?nkungen sie ggf. unterliegt.




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